Über uns
Theater der Menschlichkeit
Die Geschichte der Hamburger Kammerspiele ist eine Geschichte des Überlebens, des Neubeginns und des Erinnerns.
Einst war das Haus in der Hartungstraße ein Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. 1938 wurde es als Jüdisches Gemeinschaftshaus auch zum Theater.
Wenige Jahre später wurde es selbst zum Ort der nationalsozialistischen Verfolgung: Hier mussten sich Menschen für die Deportationen versammeln.
1945 begann ein neuer Abschnitt:
Die jüdische Schauspielerin Ida Ehre, die die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und das Konzentrationslager Fuhlsbüttel überlebt hatte,
übernahm das Haus und gründete die Hamburger Kammerspiele.
Ihr Anspruch: ein Theater, das nach zwölf Jahren Diktatur wieder über die großen Fragen des Menschseins spricht – über Schuld und Verantwortung, Krieg und Frieden, Verlust und Hoffnung.
Ihr Credo wurde zum Fundament des Hauses:
„Theater der Menschlichkeit“.
1947 wurde hier Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür uraufgeführt – ein Meilenstein des deutschen Nachkriegstheaters.
Bis heute stehen die Hamburger Kammerspiele für Geschichten, die berühren, aufrütteln und den Blick auf die Welt verändern.
Denn Theater ist mehr als Unterhaltung: Es schafft Begegnung und gibt verschiedensten Stimmen und Perspektiven einen Raum.
Für Geschichten, die uns bewegen. Für die Menschlichkeit.
Die Geschichte
Die Pfenningsche Villa
1863 ließ der Hamburger Kaufmann Otto Eduard Ferdinand Pfennig in der Hartungstraße 11 eine herrschaftliche Villa im klassizistischen Stil errichten.
Das jüdische Logenheim
Die jüdische Henry-Jones-Loge erwarb 1903 die Villa. Durch Umbauten und die Erweiterung auf das Nachbargrundstück entstand ein großzügiges Logenheim auf rund 1.200 Quadratmetern.
Das Haus wurde zu einem wichtigen Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg: Es beherbergte Festsäle, ein koscheres Restaurant, einen Logensaal, eine Bibliothek sowie Verwaltungs-, Unterrichts- und Begegnungsräume. Auch Jugend- und Sportverbände, eine Sprachenschule und zahlreiche gemeinnützige Vereine nutzten das Haus.
Das Haus wird versiegelt
Während der Weltwirtschaftskrise wurde das Gebäude an die Anthroposophische Gesellschaft verkauft. Die jüdischen Vereine und Logen nutzten es zunächst weiter. Ende 1935 lösten die Nationalsozialisten die Anthroposophische Gesellschaft auf und versiegelten das Haus.
Vom Gemeinschaftshaus zum Theater
Auf Anordnung der Gestapo wurde das Grundstück 1937 zum Verkauf freigegeben. Die Jüdische Gemeinschaftshaus GmbH erwarb das Gebäude und ließ es umfassend umbauen.
Aus dem ehemaligen Logentempel wurde ein Vortragsraum. Im ersten Stock entstand ein Theater mit rund 450 Plätzen. Die Bühne war technisch für den Theaterbetrieb ausgestattet – mit Schnürboden, fahrbarer Brücke und Beleuchtungsanlage.
Eröffnung des Jüdischen Gemeinschaftshauses
Am 9. Januar 1938 wurde das Haus mit Shakespeares "Romeo und Julia" eröffnet. Es sollte allen noch in Hamburg lebenden Jüdinnen und Juden als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt dienen.
Zum ersten Mal trat dort das Ensemble des Jüdischen Kulturbundes Hamburg auf.
Verfolgung und Deportation
Am 11. September 1941 wurde der Jüdische Kulturbund durch die Gestapo liquidiert. Wenige Wochen später diente das Haus als Proviant- und Versorgungsstelle für die Deportationen der Hamburger Jüdinnen und Juden.
Am 11. Juli 1942 wurde das Gebäude selbst zur Sammelstätte für einen Deportationstransport nach Auschwitz.
Theater und Kino im Krieg
Nach der Zerstörung des Zuschauerhauses der Hamburgischen Staatsoper 1943 wurde die Hartungstraße Ausweichquartier des Thalia Theaters. Die Thalia-Kammerspiele eröffneten am 8. Oktober 1943, mussten aber neun Monate später wegen der totalen Mobilisierung schließen. Ab Dezember 1944 liefen dort als Ufa-Kammerspiele deutsche Spielfilme. Die letzte Vorstellung war am 1. April 1945. Nach Kriegsende beschlagnahmte die britische Militärregierung das Haus und richtete dort das Kabarett „Savoy“ ein.
Ida Ehre und die Hamburger Kammerspiele
Am 25. Juli 1945 bat die Hamburger Kulturverwaltung die britische Militärregierung, das Theater in der Hartungstraße für neue „Kammerspiele“ freizugeben. Die jüdische Schauspielerin Ida Ehre wollte dort nach zwölf Jahren Diktatur ein „Theater der Menschlichkeit“ schaffen. Am 10. Dezember 1945 eröffnete sie die Hamburger Kammerspiele mit Robert Ardreys "Leuchtfeuer". Mit ihrem Ensemble und ihrer Stückauswahl prägte sie das Haus nachhaltig.
Draußen vor der Tür
Ein Meilenstein der deutschen Nachkriegs-geschichte war die Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" am 21. November 1947.
Ida Ehre hatte den schwer kranken Borchert dazu bewegt, sein zunächst als Hörspiel verfasstes Heimkehrerdrama für die Bühne zu bearbeiten. Die Inszenierung von Wolfgang Liebeneiner und Hans Quests Darstellung des Beckmann machten die Aufführung zu einer Legende.
Ida Ehres Theater
Die Währungsreform 1948 brachte die privat geführten Kammerspiele in finanzielle Schwierigkeiten. Ohne staatliche Subventionen wurde das Ensemble aufgelöst und der Spielbetrieb auf En-Suite-Aufführungen umgestellt. Trotz wirtschaftlicher Zwänge blieb Ida Ehre ihrem künstlerischen Anspruch treu und setzte gesellschaftlich relevante, zeitgenössische und unbequeme Stoffe auf den Spielplan. Sie starb am 16. Februar 1989 im Alter von 88 Jahren.
Neue Leitungen
Nach Ida Ehres Tod wurde das Haus von Ursula Lingen, Stephan Barbarino und Gerd Schlesselmann mit unterschiedlichen künstlerischen Konzepten weitergeführt.
Ein neuer Anfang
Ulrich Tukur und Ulrich Waller eröffneten 1995 die neue Spielzeit mit einer Neuinszenierung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür".
In den folgenden Jahren holten sie zahlreiche renommierte Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Regisseurinnen und Regisseure an die Hartungstraße und knüpften damit an die große Theatertradition des Hauses an.
Sanierung
Der Eigentümer Jürgen Hunke ließ die Hamburger Kammerspiele 2002 umfassend sanieren und teilweise umbauen.
Die Hamburger Kammerspiele heute
Mit Beginn der Spielzeit 2003/04 übernahm Axel Schneider die Leitung der Hamburger Kammerspiele. Gemeinsam mit Holger Zebu Kluth entwickelte er das Haus zu einem festen Bestandteil der Hamburger Theaterlandschaft. Seit 2017 führt Schneider das Theater als Intendant und Geschäftsführer. Dietrich Wersich war bis 2026 Geschäftsführer, ihm folgte Falk Röbbelen. Bis heute stehen die Kammerspiele für bewegende Stoffe, starke Ensembles und gesellschaftlich relevante Themen.
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